theater.wozek
theater.wozek

Die Göttliche Komödie

3.10.2012 Heinz Wagner

Ist Himmel gleich Hölle?

Sind's nur immer die anderen, oder liegt's in einem selbst? Mitnehmendes Stück nach Dante Alighieris "Divina Commedia/Die Göttliche Komödie" im Dschungel Wien

Wo beginnen? Nicht einfach. Die vom Klassiker der Weltliteratur inspirierte Bühnenfassung von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ durch das Theater Wozek mit sehr vielen jugendlichen Schauspieler_innen spielt sich nämlich gleichzeitig auf beiden Bühnen des Kinder- und Jugendtheaterhauses im MuseumsQuartier, dem Dschungel Wien, ab.
Doch keine Sorge, alle erleben alles.

In zwei Gruppen geteilt, beginnen die einen sozusagen in der Paradieskammer, die anderen in den Kreisen der Hölle, um nach einer kurzen Pause zu tauschen. Danach spielen die Bühnenakteur_innen ihre Parts ein zweites Mal. Heftig ist`s für alle – auf beiden Bühnen muss genau getimt gespielt werden, weil einige der Schauspieler_innen immer wieder wechseln, hin und her eilen. Vor allem natürlich der Wanderer durch die Welten, wenn überhaupt dann zunächst nur Capitano/Käpt`n/Kapitän tituliert, hin und wieder „Schwertfisch“ genannt. Wer „Divina Commedia/Die göttliche Komödie“ kennt, kommt natürlich schon früher drauf, was gegen Ende des Stücks (bzw. deren erster Hälfte für jene die im kleineren Saal beginnen) ausgesprochen wird. Es handelt sich um den Dichter selbst, der sich in drei Büchern in 100 Gesängen und mehr als 14.000 Versen durch Hölle, Himmel und Fegefeuer bewegt. Auf der Suche. Nach sich, dem Guten und Bösen, und nicht zuletzt (unerfüllter) Liebe.

Umerziehungslager

Die Hölle ist hier eher ein verschärftes Boot-Camp, gleich drastisch durch Käfige symbolisiert, die jedoch nie plakativ wirken. Jugendliche, die Namen wurden ihnen gleich mal weggenommen und sie zu bloßen Nummern degradiert, sollen umerzogen, oder wie`s manche neudeutsch formulieren „umprogrammiert“ werden. Psychisch und immer wieder auch physisch werden sie misshandelt, erniedrigt, gedemütigt., ins „Jenseits“ befördert. Zumeist vom hündisch ergebenen „Wärter“ der Anstaltsleiterin, Dr. Himmel. Anpassung, Unterordnung – das soll erreicht werden. Koste was es wolle.

Himmel = Hölle

Doch auch im anderen Raum, der Paradieskammer, geht’s gewaltig zu. Auch wenn hier die Gewalttaten gegen die Insaß_innen gebrochen werden, in dem sie nur als Darstellung dessen klassifiziert werden, was sich im Kopf der „bösen Mädchen“ abspielt. Was wohl (fast) jede/r als schön und gut bezeichnet würde, betet eine der Insaß_innen in einer Endlosschleife à la Rosenkranz-Gebet als Hölle herunter. „Wenn du glücklich bist, ist das die Hölle. Wenn du in den Spiegel schaust und dein Gesicht strahlt dich an, ...“

Unter die Haut

Das – großteils – sehr jungen Bühnenteam schafft es die oft in Bruchteilen von Sekunden erfolgenden Brüche der Stimmungen von einigermaßen entspannt, oder suchend, fragend bis zu brutal sehr lebendig, immer wieder erschreckend unter die Haut gehend auf den Punkt genau zu spielen. Nicht nur einmal reißt es dich. Aber gewaltig.

Infos

Die göttliche Komödie
nach Dante Alighieri
theater.wozek
Schauspiel, Performance, 90 Minuten

DarstellerInnen: Maria Astl, Maria Daxler (Reinemacherin Rosa), Nikolai Gemel, Liliana Grabska, Jennifer Gross, Lisa Handler, Sophie Huber (Glücksfee), Oskar Jeglitsch, Sebastian Kolin (Ricardo, Luzifer), Ruby Leaves, Carina Luif (Nummer2, Beatrice), Judith Mahler, Christian Margol, Julia Plach, Marion Rottenhofer (Dr. Himmel, Vergil), Patrick Sieber, Veronika Vit, Charly Vozenilek (Käpt`n, Dante), Michaela Weissinger, Nina Wenzl, Lisa Wölf

 

kurier.at/nachrichten/kiku/4514358-ist-himmel-gleich-hoelle.php

Druckversion Druckversion | Sitemap
© theater.wozek

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.