Romeo & Julia / Projekt Verona erzählt Shakespeares berühmteste Liebesgeschichte neu. Im Punk-Style lernen sich Romeo und Julia bei einem Rave kennen. Beide gehören zu verfeindeten Banden, die gemeinsam ein Haus besetzen; ein Ort zwischen Rebellion, Konflikt und dem Versuch, neue Regeln zu schaffen.
Kann Liebe in einer Welt voller Vorurteile, Machtkämpfe und dem Anspruch, bloß keine echten Gefühle zu zeigen, bestehen? Mit Originaltexten von Shakespeare und einer zeitgenössischen Interpretation
hinterfragt "Projekt Verona" Rollenbilder, Hierarchien und die Bedeutung von Liebe heute.
aktuelle Aufführungen
Premiere: 26.9.2026 / 20 Uhr / Stadtsaal Korneuburg
24.10.2026 / 20 Uhr / Stadstaal Korneuburg
Am Anschluß findet ein Rave mit DJ Colido statt.
weiere Vorstellungen für Schulen:
Stadtsaal Mistelbach
5.10.2026 / 11 Uhr
Freiraum St. Pölten
6.10.2026 / 11 Uhr
5.11.2026 / 10 Uhr
18.11.2026 / 11 Uhr
BG Wieselburg
22.10.2026 / 11 Uhr
Stadtsaal Hollabrunn
12.11.2026 / 11 Uhr
Stadtsaal Zwettl
15.12.2026 / 11 Uhr
Kartenreservierung unter office@theater-wozek.at oder 0660/8672446
Karl Wozek
Julia Wozek
Energie-geladene Punk-Version des bekanntesten Dramas verbotener Liebe
Theater Wozek rockt den üppigen, palastartigen Stadtsaal von Korneuburg (Niederösterreich) mit „Romeo & Julia“ in Verona im Ausnahmezsutand.
Hinter der eher unscheinbaren kleinen grünen Tür auf einer Seite des Korneuburger Hauptplatzes (Niederösterreich) geht’s – durch Plakate geleitet, hinauf in den ersten Stock. Ein schon aufs Erste beeindruckende Front von Glastüren gibt den Blick frei auf einen wuchtigen, fast pompösen Festsaal mit Balkon und Galerie.
An den Wänden hängen aber auch kopierte Flugzettel, teil abgerissen, innen im Saal große gesprayte Transparente mit dem vier-buchstabigen Fluchwort, das mit F beginnt und mit CK endet – siehe auch Fotos;) gemünzt auf den Fürsten von Verona, Escalus.
Und Verona, das ist DIE Stadt von „Romeo und Julia“ (1597). Wobei William Shakespeare bei dieser seiner vielleicht berühmtesten Bühnen-Tragödie wie bei anderen Werken auch sich bei literarischen Vorbildern bedient hatte, allen voran Arthur Brookes „The Tragicall Historye of Romeus and Iuliet“ (1562): Die verfeindeten Familien der Liebenden Montague (Romeo) und Capulet (Julia) hat er sich höchstwahrscheinlich von Dante Alighieris (1265 – 1321) „Göttlicher Komödie“ (ca. 1306) „Montecchi e Cappelletti“ ausgeborgt.
Bekanntes plus Ausnahmezustand
Zurück nach Korneuburg und dem doch verfremdeten, ja widersprüchlichen Ambiente. Im feinen Festsaal mit jugendkulturellen Accessoires. „Romeo & Julia / Projekt Verona“ nennt sich die Version von Theater Wozek mit einer sehr jungen Crew auf der Bühne und vor allem, aber nicht nur, für junges Publikum gedacht. Neben der Feindschaft der beiden genannten Familien und natürlich der – verbotenen – Liebe der beiden noch dazu einzigen Kinder ihrer Familien, den damit erforderlichen Heimlichkeiten und dem tragischen Tod der Titelheld:innen bettet diese Version die Story in einen noch größeren Konflikt ein.
In der Stadt herrscht Ausnahmezustand. Eine tödliche Seuche ist ausgebrochen. Erinnerungen an die gar nicht so lange zurückliegende Corona-Zeit werden wach. Und dann setzt Theater Wozek noch eins drauf: In der Stadt sind offenbar vermehrt Reptiloide, Echsenmenschen unterwegs. In der Fantasy-Literatur schon vor rund 100 Jahren ausgedacht, tummeln sie sich in so mancher Verschwörungstheorie eher erst seit nicht einmal einem Jahrzehnt herum und sollen diesen zufolge Politik und Weltgeschehen beeinflussen.
Und öffnet damit die größere Dimension gespaltener Gesellschaften, verschärft die Feindschaft der beiden Familien über diese hinaus: Wer darf / will mit wem noch reden oder bricht alle Brücken ab? Gibt es überhaupt (noch) gemeinsame Gesprächsbasen?
Volle Power
Rasant und voller mitreißender Energie düsen die fünf jungen Schauspieler:innen vor allem durch den Saal zwischen den V-förmig aufgestellten Sitzreihen, über den Balkon, die Galerie und die eher kleine Bühne rund um einen als DJ-Pult arrangierten Tisch. Und ziehen ihre Szenen ab, die den Großteil des Premierenpublikums begeisterte.
Julia Wozek, die sicher nicht nur des Vornamens wegen die Julia spielt, und die seit jugendlichen Jahren leidenschaftlich und professionell schauspielt, ist ohnehin in ihren Auftritten fast eine Naturgewalt. Kann aber auch die stillen, fast schüchternen Momente bei der ersten Begegnung mit Romeo (Nicolas Hoser). In diesem Stück – nächste öffentlich Aufführung erst in drei Wochen, Schulafführungen ab sofort; siehe Info-Box – führte sie aber auch, gemeinsam mit ihrem und dem Vater der Theatergruppe, Karl, Regie.
Klischees und deren Brechung
Georg Müller-Angerer gibt glaubwürdig den fast durchgängigen toxischen Tybalt, der unbedingt Julia besitzen will, Helene Hütter eine selber sehr lebenslustige „Amme“ Amalia. Marvin Weidinger
vereint als Mercutio auch die Szenen von Bruder Lorenzo. und spielt eine Art DJ, für den Soundtrack zuständig samt fast ein bissl klischeeartig dafür Dealer diverser flüssiger Substanzen in kleinen
Fläschchen. Dafür bricht er mit genderfluiden Anklängen und am stärksten von allen im Punk-Style wiederum auf andere Art aus Klischees aus. Und verstärkt damit die rebellische Botschaft gegen das
Liebesverbot der verfeindeten Häuser.
Nach der öffentlichen Vorstellung – knapp mehr als 1½ Stunden (Vollversion; kürzere Fassung bei Schulvorstellungen ohne Rave) legt DJ Colido auf.
Wir bedanken uns für die Unterstützung