theater.wozek
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ARM:MUT

Eine stinknormale Familie. Der Vater schwerkrank. Die Mutter überfordert. Die Tochter verkauft sich. Der Sohn denkt an Selbstmord. Und weit und breit kein Hoffnungsschimmer. Das ist der Plot.
Frei nach Anton Wildgans´ "Armut" untersucht das theater.wozek und das TAG den Zusammenbruch eines Familiensystems und liefert mehr oder weniger haltbare Rettungsmaßnahmen.
Die fatale Frage: "Warum haben wir nie Glück gehabt?" geistert dabei wie ein Untoter durch das Stück und findet erst Ruhe in der Erkenntnis: Armut macht reich!
Unter dem Motto: "Verbiege die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit, und sie wird begriffen ..." präsentiert sich "arm:mut" als gnadenloser Mix aus Melodrama, Charity-Event, Kriminalfall und Reality-Soap.
Conclusio: Das Tragische ist komischer als uns lieb ist.

Anton Wildgans

geboren 17. April 1881 in Wien
gestorben 3. Mai 1932 in MödlingEntstammt einer Juristenfamilie, arbeitet nach seinem Jurastudium zwei Jahre bei Gericht, hat hier Einblick in soziale Mißstände, die ihn zu seinen Mitleidsdramen führen. Seit 1912 freier Schriftsteller, zunächst mit Lyrik. 1921/23 und 1930/31 Direktor des Wiener Burgtheaters.
Auch in seinen Stücken bleibt Wildgans Lyriker, der die sozialkritischen Stoffe zu visionären Gleichnissen überhöht und eine österreichische, stimmungshaftere Form des Expressionismus entwickelt.

Aufführungen

Uraufführung
Sa 6. Dezember 2008


weitere Vorstellungen:
Do 11. Dez. 2008 

Fr 12. Dez. 2008

Sa 13. Dez. 2008

Di 16. Dez. 2008 

Mi 17. Dez. 2008
Sa 7. März 2009
Di 10. März 2009
Do 12. März 2009
Sa 25. April 2009
Mi 29. April 2009
Do 30. April 2009

 

Aufführungsort

 

TAG
Theater an der Gumpendorfer Straße
Gumpendorfer Straße 67
1060 Wien

  

Team

Konzept / Inszenierung: Karl Wozek
Akteure: Barbara Horvath, Felicitas Lukas, Marion Rottenhofer,
Roman Binder, Horst Heiss, Wilhelm Iben, Robert Kahr, Charly Vozenilek,
Bühne / Ausstattung: Michael Haller

Programmheft

Plakat

Presse

11.12.2008
Armut als Showelement?
(cher)
Zwei Charityveranstalter (darstellerisch hervorragend: Barbara Horvath und  Wilhelm Iben) wollen ihren Gästen etwas ganz Besonderes bieten und präsentieren  eine Familie, die in ärmlichen Verhältnissen lebt. Man ermuntert die Mutter zu  tanzen, die Tochter zu weinen, man benützt die Notlage der Menschen als Unterhaltungsmittel, als Showelement. Nur zum Wohle der Missbrauchten, versteht  sich. Das "theater wozek" erstellte in Zusammenarbeit mit dem TAG (in  dessen Theater die Aufführungen stattfinden) "arm:mut", frei nach der
Tragödie "Armut" von Anton Wildgans. Der Handlungsverlauf wird nahezu  eingehalten, nur fallweise geschickt adaptiert, wie etwa Gottfrieds (begabt: Charly Vozenilek) berühmter Monolog "Zwei Züge fahren von A nach B".  Die Verlegung in die Jetztzeit gelingt nahtlos und macht das Wesentliche  deutlich: Dass die Gesellschaft oftmals jene, die Hilfe brauchen würden, im  Stich lässt und sie auch nicht respektiert.

Artikel vom 09.05.2011 22:00 | KURIER | Heinz Wagner |

Macht Armut reich?
Spannende Wildgans-Inszenierung von theater.wozek und TAG

Gespannte Atmosphäre liegt über dem Raum. Zumindest in der Begegnung der Kinder mit der Mutter. Da scheint die Luft zum Schneiden dick zu sein. Zwischen Marie und Gottfried (Felicitas Lukas und Charly Vozenilek), den beiden jugendlichen Kindern der Familie Spuller hingegen herrscht Zuneigung. Mehr sogar als zwischen Schwester und Bruder zulässig. Die Mutter Mathilde (MarionRottenhofer) – frustriert, abgelehnt von allen, eifersüchtig auf den Vater Josef (Robert Kahr), den die Kinder mehr zu mögen scheinen.
Eine durchaus nicht ungewöhnliche Familie, die Anton Wildgans da vor nicht ganz100 Jahren beschrieben hat.
Vorausgespürt Schon lange habe ihn dieser Stoff, ja dieser Dichter beschäftigt, meint Karl Wozek, Regisseur des jüngsten Stücks dieses freien Theaters, das er gemeinsam mit dem TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße) realisierte. Die Entscheidung, „arm:mut“ in Angriff nehmen, fiel dann letztlich vor vielen Monaten, also geraume Zeit vor der im September akut aufgebrochenen großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Wie Erwin Wagenhofer mit seinem Kinofilm „Let’s make money“ war offenbar auch hier das massiver werdende Thema Armut wie es eine durchschnittliche, normale Familie erreicht, sensibel vorausgespürt worden.
Übrigens: Anton Wildgans habe einmal in sein Notizbuch eingetragen "Ich lege immer mein ganzes Gewicht in die Schale der Schwächeren", zitiert Heinz Gerstinger in einem Beitrag über diesen Dramatiker ein Bekanntnis des zunächst jungen Rechtspraktikanten knapp nach der Wende des vorvorigen zum vorigen Jahrhundert.
Zerstörerisch Natürlich gibt es auch in wohlhabenderen Familiendesaströse emotionale Beziehungen. Hier aber bei den Spullers da läuft nicht zuletzt alles auf den totalen Kollaps zu, weil’s hinten und vorne am Geld fehlt. Und sich der Vater zu Tode schuftet. Vielleicht auch, um der kalten, lieblosen Ehe zu entfliehen?
Und weil schon nicht einmal mehr geheizt werden kann, die Internetverbindungabgemeldet werden muss, die Kohle auch für die Miete nicht reicht, erst recht nicht für die vielleicht doch noch lebensrettende medizinische Behandlung des Vaters und so weiter, entschließt sich Marie zum Verkauf ihres Körpers., Bruder Gottfried spielt – nicht zuletzt dank des „Gedankenanstoßes“ der Mutter – sich das Leben zu nehmen…
Gänsekopf theater.wozek und TAG „übersetzten“ Texte von Wildgans ins hier und heute und in ebenda verständliche Sprache. Als Reverenz an den Autor werden jedoch auch Originalpassagen zitiert. Und ein Gänsekopf aus Pappmaschee spielt auch eine mehrfache und -deutige Rolle. Dazwischen schieben Barbara Horvath und der geniale in vielen Rollen agierende Wilhelm Iben als ModeratorInnenduo einer Reality-Show wie es sie vielleicht in dieser oder ähnlicher Form sogar echt in der TV-Welt gibt, eine weitere Ebene ein, in dem
sie das Schicksal der Spullers auf den Fernsehmonitor heben und sie anfeuern,noch mehr auf die Tränendrüse zu drücken, um einen imaginären Spendenpegel zu heben. Motto der Show: „Armut macht reich!“
Besonders spannend und ausgefallen ist die Schluss-Sequenz, wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler beginnen, sich aus ihren Rollen in ihre eigene Existenz zu verabschieden. Mehr sei darüber allerdings nicht verraten.
Nur noch, dass hier natürlich das schon zuvor auf einer weiteren Ebene des rund 100-minütigen Stücks (mit einer Pause) verhandelte Thema, was ist wirklich oder vielleicht auch wie wirklich ist die Wirklichkeit, gipfelt.

Wir bedanken uns für die Unterstützung!

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